Reisen bildet -
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen ...

 

... besonders wenn er mit zwei Puli-Damen verreisen will. Das fängt schon bei der Zimmerreservierung an: "Kann ich einen Hund mitbringen?" (Den zweiten unterschlage ich immer, bis auf weiteres - sicherheitshalber). "Wie gross ist er denn?" "Etwas größer als ein Dackel!" (Puli kennt sowieso keiner und würde nur zu Irritationen und unnötigen Fragen führen). "Na ja, wenn sie ihn immer an der Leine führen, und er die anderen Gäste nicht stört." Zwischenzeitlich haben die Übernachtungspreis für einen Hund den Satz einer Halbpension eines guten Hotels in Niederbayern erreicht! Das Futter ist selber mitzubringen.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Novotel in Freiburg/Brsg. wurde die Hundefrage sehr freundlich mit "selbstverständlich gern" beantwortet. Beim abendlichen Eintreffen wurde uns am Empfang ein kleiner Campingbeutel mit Fressnapf, Plastikleine und ein paar Futterproben von Royal Canin überreicht.

Bei der Ankunft fällt dann der zweite Hund schon gar nicht mehr auf. "Ach sind die süss!" Das ist dann schon die halbe Miete. Wenn dann die Hunde nicht mit in den Speisesaal oder den Frühstücksraum gebracht werden und nicht laut kläffend, wie manche Kleinkinder schreiend, quer durchs Hotel rasen, gibt es sicherlich keine Probleme.

Mein schwarze Pulidame - ein Ungarnimport - hat auch die Zurückhaltung der alten K u. K Monarchie bewahrt, während die Weiße den etwas ungestümen Charme des Ruhrgebiets verströmt.

Dann endlich Urlaub - was gibt es schöneres als einen Hundespaziergang am windgepeitschten Nordseestrand? Stöckchen aus dem Wasser holen, Möven jagen, halbfaule Fische finden, nasse Pfoten und sandige Nasen an Herrchens Hose putzen!

Bei Fahrten in den Süden wird es dann mit unseren rasenden Pullovern schon etwas problematischer, die Wärme setzt ihnen doch manchmal zu.

Wir hatten vor ein paar Jahren unbedingt vor mal nach Sardinien zu fahren - blaues Wasser - endlose Strände - Spaghetti und Rotwein - Herz was begehrst Du mehr?

Unsere damalige weiße Pulihündin war schon 14 Jahre alt, wie würde sie mit dem warmen Wetter zurechtkommen? Der Rat des Tierarztes war: Scheren! Meine Partnerin, sie ist nicht ganz so leidensfähig wie ich was das Schmutzsammeln von langhaarigen Hunden betrifft, griff begeistert zur Schere. Für sie ging ein Traum in Erfüllung!

Wir standen auf der Hafenmole von Livorno und warteten auf die Fähre die uns nach Sardinien bringen sollte, inmitten von vielen Pkw, Motorrädern und allen möglichen Fortbewegungsmitteln.
Unser Puli schien ein verständliches Bedürfnis zu haben und benutzte die Gelegenheit sich mit den spannenden Gerüchen des Hafens auseinander zusetzen. Altersbedingt schlenderte sie so etwas steifbeinig - und haben Sie schon mal einen geschorenen Puli gesehen? - über das Hafengelände. Da hörten wir plötzlich aus dem neben uns stehenden, ebenfalls deutschen Auto, die Worte:" Guck mal da! Is da schon wieder so ein armer, verhungerter, heimatloser Straßenköter!"
Meine Partnerin griff sofort zum Hundekuchen um dem armen Streuner eine kleine Zwischenmahlzeit zu bereiten. Doch wer kam da angestakst? Unser geschorener Puli! Sie sah aber auch zum Totlachen aus. Kein noch so erfahrener Kynologe hätte bei diesem Bild des Jammers auf einen reinrassigen, mit Stammbaum bewehrten, Puli geschlossen. Blitzschnell sammelte ich unseren armen Hund ganz diskret wieder ein, damit ja keiner sah wem der ,herrenlose Hund' gehörte.

Die fehlenden Haare schienen die Hündin überhaupt nicht irritiert zu haben, im Gegenteil sie erschien mir sogar lebhafter als mit dem dicken Pelz, sie bewegte sich flotter, schwitzte nicht so stark und brachte vom Strand nur noch Pfunde statt Kilos an Sand mit in die Ferienwohnung.

Ich weiß wirklich nicht, vielleicht sollte man es unseren Pulis im Sommer wirklich etwas bequemer machen, aber die Schönheit ist dann hin! Und auf Zuchtschauen braucht man sich dann auch nicht mehr blicken zu lassen.

Na egal wie, verreist wird bei uns nie ohne unsere Hunde, auf die Gefahr hin in der Auswahl der Reiseziele eingeengt zu sein. Sie gehören nun mal zur Familie!

 

H.G.Z.
09.2002

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