It´s Show-time
Der Leser verzeihe mir den englischen Titel, doch wenn nicht bereits 1859 zwei englische Gentlemen in Newcastle-on-Tyne hätten wissen wollen wer von Ihnen den schönsten Rassehund habe, gäbe es vielleicht immer noch keine Hundeausstellungen. Nun
das menschliche Wesen ist schon merkwürdig veranlagt. Irgendwann 2003 bekam ich die Ankündigung der Internationalen Klubschau des Klubs für Ungarische Hirtenhunde in Esslingen in die Finger, einen passenden Hund hatte ich! Also auf nach Esslingen! Sie können davon ausgehen, dass eine Klubschau zwar alle Komponenten einer allgemein zugelassenen Hundeausstellung aufzuweisen hat, aber es handelt sich dabei doch um ein ,Familientreffen'. Schon im Eingang wird man empfangen: "Ach Sie sind der Herr ...." und so geht es weiter, man lernt unheimlich schnell viele nette Leute kennen, von denen man vielleicht schon einmal gehört oder in der Klubzeitung gelesen hat, die Atmosphäre ist ganz entspannt. Man kann den ganzen Tag ,hündisch' tratschen, bekommt und gibt viele Tipps über Futter, Verhalten, Eigenheiten und dem Umgang mit unseren ungarischen, vierbeinigen Freunden. Es herrscht auch kaum Hektik oder gar Gedränge zwischen den Bewertungsringen. Natürlich ist jeder davon überzeugt das schönste Exemplar seiner Rasse mitgebracht zu haben, doch hier steht das Konkurrenzdenken gar nicht so in dem Vordergrund.
Den Spaß sollte sich jeder Besitzer eines unserer Ungarischen Hirtenhunde einmal gönnen, auch wenn er noch nie eine Hundeausstellung besucht hat oder besuchen wollte. Die Ausrichter der Klubzuchtschauen geben sich wirklich alle Mühe es für uns zu einem schönen Erlebnis werden zu lassen. Ich hatte Ihnen ja eingangs schon gebeichtet, dass ich nicht frei von dieser sonderbaren Eigenschaft des Wettbewerbsdenkens bin und der erste Erfolg hatte mich Blut lecken lassen. Wo findet die nächste Ausstellung statt? Ich muss zu meiner Schande gestehen, Hundesausstellungen können süchtig machen! Warum wohl? Ein bisschen Masochismus gehört dazu! Stellen Sie sich bitte vor, Sie stehen an einem heiligen Sonntagmorgen bereits um 5 Uhr auf. Um Sie herum schnarcht noch alles. Keine Brötchen, eine schnelle Tasse Kaffee, Hund Bächlein machen lassen, und er hat es gar nicht eilig! Dann rein ins Auto, vielleicht dreihundert Kilometer oder mehr runterrasseln, wenn Sie Glück haben, hat der veranstaltende Verein eine Vernünftige Anfahrtsskizze an Sie geschickt, um 10 Uhr beginnt das Richten, für pünktliches Erscheinen ist der Aussteller verantwortlich! Bloss keine Hektik! Endlich ist der Ort des Geschehens erreicht, vielleicht haben Sie Glück, es ist noch nicht so spät und Sie finden einen Parkplatz, nicht so weit vom Eingang. Aber was ist denn das? So in etwa muss es ausgesehen haben als der alte Noah seine Arche beschickte, eine nicht endenwollende Schlange von Menschen mit Kisten, Koffern, Käfigen mit und ohne Rollen, Rucksäcke und den unförmigsten Gepäckstücken und auch Hunden hat sich vor dem Eingang gebildet. Hunde wie man sie noch nie gesehen hat. Ein Afghanischer Windhund, den Kopf züchtig verhüllt mit einer gehäkelten Betthaube, damit nicht der Wind die kunstvoll gekämmte Frisur zerstört, sein Blick geht glatt durch einen hindurch, das ist wahrer Adel! Dann ein von drei Seiten verhängter rollender Käfig, darin ein weißer Pudel, so weiß dass die Weiße Dame von Persil dagegen wie ein verregneter Herbstag aussieht. Die Haarbüschel am Kopf und an den Ohren eingebunden. Wenn diese Pracht später geöffnet wird, geht sicher ein Stöhnen durch die Menge. Der Transport dieses Champions findet nur auf Achse statt damit nicht Straßenschmutz, Regen, Feinstaub oder sonstige trivialen Dinge nicht dieser Schönheit zu nahe kommen. Dann plötzlich hastiges Kläffen kleiner Hunde, eine Dame mit einem rollenden Hundeheim mit einer Handvoll kleiner Yorkshire-Terrier, diese Rasse verdankt ihr Entstehung der Rattenjagd. Doch diese Vertreter sind frisch gebadet, gekämmt, mit Papierpipetten eingedreht, angetreten zum großen Wettstreit der Eitelkeiten. Eine Ratte würde sich sicher eher totlachen wenn sie diese kleinen Laufstegschönheiten sehen würde. Trotzdem bis zum Richten müssen sie sicher noch viele Bürsten- und Kämmeinheiten über sich ergehen lassen. Da kommen zwei grau-weiße Ungeheuer auf einen zu, beim Näherkommen stellt sich heraus, es handelt sich um einen hoch- und breittoupierten Bobtail. So könnte man noch stundenlang Studien betreiben, mit einem Puli an der Leine, nicht gekämmt, nicht gebürstet, noch richtig nach Hund riechend. Anfang der Woche noch einmal gebadet, danach jedoch wieder ,Feldarbeit'. Da hat man richtig ein schlechtes Gewissen! Das ist der Vorteil unserer Naturrassen! Dann ist man endlich am Kopf der Schlange angekommen, der Grund war die genaue Veterinärkontrolle jedes einzelnen Hundes. Das gibt einem ein gutes Gefühl und entschädigt für die Warterei. Jetzt sucht man sich seinen Ring in dem die Bewertung stattfindet, gibt seine Papiere ab und bescheidet sich in Geduld bis die Reihe zum Richten an einem ist. Das kann schon ziemlich lange dauern. Als Profi hat man sich einen Klappstuhl mitgebracht, manche haben eine halbe Campingausrüstung dabei, dann kann man von seinem Parkettplatz die Geschehnisse im Ring verfolgen. Von unseren Pulis sagt man ja es seien keine Hunde, sondern eben Pulis. Von den Zuchtrichtern muss man sagen es sind auch nur Menschen. Menschen die sicherlich auch ihre Vorstellungen in die Bewertung eines Hundes einflließen lassen. Es gibt Momente da man an ihren Lippen hängt wenn sie unseren Hund beurteilen, dann gibt es auch wieder Gelegenheiten wo man ihnen am liebsten widersprechen möchte. Ist die Nase meines Hundes wirklich zu lang, im Verhältnis zum übrigen Kopf? Das hat doch noch keiner bemängelt! Und dann reicht es ,nur' zum V 2. Diskutieren Sie nie mit einem Zuchtrichter, antworten Sie nur auf seine Fragen! Denken Sie immer daran er/sie ist auch nur ein Mensch! Wenn Sie partout mit dem Urteil nicht einverstanden sind, stellen Sie sich den Herrn in Badehosen oder die Dame im Bikini vor, ein Lächeln wird um Ihren Mund spielen, mit diesem Lächeln danken Sie für die Beurteilung, damit können Sie dann Ihren Frust eventuell auf Ihren Gegenüber übertragen. Lassen Sie sich nie, aber auch wirklich nie, von einer - nach Ihrer Meinung falschen - Beurteilung Ihres vierbeinigen Partners die Stimmung verderben. Ihr Hund ist, und wird es immer sein, Ihr bester Freund und Kamerad und keiner außer Ihnen selbst kann überhaupt seinen wahren Wert richtig ermessen. Hunde ausstellen sollte man als Sport ansehen, man darf es nicht tierisch ernst nehmen, hier sollte fair play herrschen, und man muss auch mal verlieren können. Davon sollte man sich diesen Tag nicht verderben lassen. Beim nächsten Mal kann alles schon wieder ganz anders aussehen. Gehen
Sie nach dem Richten doch einmal richtig shoppen. Auf den Ausstellungen gibt es
die exotischsten Futtermischungen von denen man noch nie etwas gehört hat
und die versprechen einen ganz neuen Hund aus Ihrem zu machen. Und dann schlendern Sie einmal an den anderen Ringen vorbei. Sie werden sich wundern wie viele Hunderassen es gibt. Achten Sie einmal wie erfahrene Ausstellungshasen ihre Hunde vorführen, man kann dabei viel lernen. Wenn Sie Glück haben sehen Sie auch mal einen Profi bei der Arbeit. Nun ich will Ihnen wünschen, Sie haben mit Ihrem Prachtexemplar Glück gehabt, im Ring hat man festgestellt, dass Ihr Hund dem Rasseideal fast vollständig entspricht, vielleicht sogar noch darüber liegt, er hat ein V1 vielleicht sogar den Rassebesten - BOB - gemacht. Sie können am Abend noch am Concours der Rassebesten zur Wahl des ,Besten der Show' teilnehmen. Glauben Sie mir, das war ein toller Tag, den man nicht missen möchte.
H.G.Z.
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Und
für alle, die es noch genauer wissen möchten; hier geht es zur Aufstellung der Erfolge! |