... und nun - züchten ...
 
 

Wie heißt es doch so schön, wer keine Sorgen hat der macht sich welche.

Ich habe fast mein ganzes Leben mit Hunden verbracht und die letzten Jahre auch noch mit Pulis, aber auf den Gedanken diese Rasse mal zu vermehren war ich bis dahin doch noch nie gekommen.

Der eigentliche Auslöser waren ein paar Zuchtschauen, auf denen sich meine Hündin scheinbar den Richtern ganz gut präsentierte, daraus folgten dann Äußerungen von lieben Mitmenschen: "Damit solltest Du aber züchten!"
Und irgendwann fielen diese Bemerkungen dann auf fruchtbaren Boden und ich begann Ausschau nach einem geeigneten Gatten für meinen weißen Liebling zu suchen. Es sollte natürlich etwas besonderes sein!

Etwas besonderes fand ich in Ungarn. Und im September 2005 war es dann so weit, meine Hündin ,hatte ihre Tage'. Meine beiden Puli-Damen also ins Auto gepackt und ab, in einer Nachttour, nach Ungarn gedüst. Edit Wagner, eine erfahrene Komondor- und Pulizüchterin hatte ich bei einer Zuchtschau mit ihrem weißen Rüden kennen gelernt und ihn als Vater unserer Babys auserkoren. Der Termin war perfekt gewählt, Braut und Bräutigam verstanden sich auf Anhieb und die "Hochzeit" ging problemlos vonstatten.

Nun begann die Zeit des Wartens, so um die 60 Tage hatte ich aus dem Kilo Fachliteratur herausgelesen, welche ich mir mittlerweile angeschafft hatte. Ultraschall oder nicht? ,Ein erfahrener Züchter belastet die Hündin nicht damit'. Homöopathische Mittel oder nicht? So lautete die eine oder andere Frage die sich mir stellte. Die einzige die von der ganzen Angelegenheit völlig unbeeindruckt blieb, war Frau Mama.

Meine Partnerin, eine gelernte OP-Schwester, begann meinen bescheidenen 1-Personenhaushalt zu verändern, plötzlich tauchten Flaschen mit sterilisierenden Flüssigkeiten, Fläschchen mit klitzekleinen Pillen, sterile Handschuhe, Garn, Scheren usw. auf. Ich wartete nur noch auf grüne Mützen, Kittel und Überschuhe!

Eine Wurfkiste musste ja auch noch her und das bedeutete, wieder Beratungen mit Züchterinnen, Informationen aus Büchern und dann ging es zur Sache. Meine Küche die als Ort des Geschehens vorgesehen war, verkleinerte sich mächtig, nachdem mein Werk dort platziert wurde. Frau Mama in spé ignorierte die Kiste verächtlich, was mich in meiner Handwerkerehre durchaus kränkte.
Über all diese Vorbereitungen verging die Zeit wie im Fluge, meine Partnerin hatte extra Urlaub genommen und nächtigte die letzten Tage auf einer Matratze in der Küche, mir traute man diese Verantwortung nicht zu, ich würde ja doch alles verschlafen und den Hund nur mit meinem Schnarchen beunruhigen! Nun, ab einem gewissen Alter ... widerspricht man dann einfach nicht mehr!

Die Geburt kündigte sich damit an, dass die Hündin die Wurfkiste um und um wühlte, nichts mehr frass, sich aber sonst ganz gelassen gab. Mittags gegen 12 Uhr ein Schreckensschrei aus der Küche: "Das erste Baby ist da!" Barack wusste wohl auch noch nicht genau was da hinten bei ihr passierte, und versäumte das Abnabeln. In der Aufregung vergaßen wir unsere schönen sterilen Werkzeuge und nahmen die Küchenschere! Was haben wir später über uns gelacht!
Den Rest erledigte die Mama dann aber mustergültig, als ob sie schon x-mal geworfen hätte.

Als Endergebnis hatten wir dann drei stramme weiße Pulibuben und ein sehr kleines Mädchen in der Wurfkiste liegen. Leider hat diese die erste Nacht allerdings nicht überlebt.

Die drei Buben aber schliefen, tranken, schrien, tranken, schliefen, schrien und wurden immer größer. Bald reichte ihnen die Wurfkiste nicht mehr als Aktionsraum und sie begannen die Gegend zu erkunden.

Der erste Ausflug auf eine große Wiese! Ein Sack Flöhe ist sicherlich leichter zu hüten als diese drei kleinen Pulis. Eine einzige Pfütze gab es weit und breit nur, doch die hatten sie natürlich sofort gefunden und vollends durchquert!

Viel zu schnell kam die Zeit, dass die neuen Besitzer uns schließlich unsere neuen Hausgenossen wegholten. Die eine oder andere Träne haben wir beide dann doch verdrückt, als es denn wieder so richtig ruhig geworden war. Und ich hatte das Gefühl, die einzigen die wirklich froh waren, dass sie jetzt wieder das ganze Reich für sich und damit ihre Ruhe hatten, waren unsere beiden Pulidamen, Barack und Palinka.

Es war eine anstrengende, aufregende Zeit die ich aber nicht missen möchte. Und vielleicht versuchen wir es noch einmal, dann aber mit mehr Routine! Ich lasse dann natürlich von mir hören, ob es noch einmal so viel Spass gemacht hat!

Ihr/Euer
H.G.Z.

 
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